FAQ Elektromobilität BMW i3

FAQ Elektromobilität / BMW i3 (94Ah)

Nach 20 Monaten und 30.000 Kilometern mit dem BMW i3 Elektroauto treten immer wieder die gleichen Fragen interessierter Passanten in der Stadt oder an den Ladestationen auf, die ich immer wieder und immer noch sehr gerne beantworte. Die häufigsten Fragen und Antworten habe ich hier zusammengefasst:

Wie weit kommt der denn?

Realistisch sind im Sommer 190 km zu erreichen. Im Winter reduziert sich die Reichweite durch die niedrigen Außentemperaturen und den erheblichen Verbrauch der Heizung auf 130 km. Die in der Werbung angegebene Reichweite von 300 km ist aus meiner Sicht nicht zu erreichen. Der dort zu Grunde gelegte Fahrzyklus NEFZ zur vereinheitlichten Messung der Reichweite von Elektrofahrzeugen entspricht aus meiner Sicht keinem realistischen Nutzerverhalten.

Wie lange lädt ihr Elektrofahrzeug, wenn der Akku fast komplett leer ist?

12 h an der Haushaltsssteckdose der Garage
Mit dem im Lieferumfang des BMW i3 enthaltenen Ladekabel lädt der Akku in 12 h auf. Für eine Nachtladung ist die mit 16 A abgesicherte Schuko Steckdose (Ladeleistung 2,5 kW) also völlig ausreichend.

4 h an der öffentlichen Ladestation
Die meisten öffentlichen Ladestationen stellen 11 kW oder 22 kW Wechselstrom Ladeleistung bereit. Der BMW i3 kann Wechselstrom mit maximal 11 kW laden.

45 Minuten am 50 kW Gleichstrom Schnelllader
Gleichstrom Schnelllader (Ladeleistung 50 kW) finden sich an immer mehr Autobahnraststätten. Tank & Rast ist hier Pioneer. Die bisher verbauten Schnelllader sind als Triple Charger ausgelegt, also an drei verschiedenen Steckern zu erkennen. In Europa dürfte sich der CCS Stecker durchsetzen, auf den auch der BMW i3 zurückgreift. Auch Tesla wird das Model 3 in Europa mit diesem Steckertyp ausliefern.

Bei jedem Ladevorgang wird gegen Ladungsende die Leistung zum Schutz des Akkus gedrosselt. Es macht auf der Langstrecke durchaus Sinn, das Elektrofahrzeug (BEV = battery electric vehicle) am 50 kW Schnelllader „nur“ bis auf 90% zu laden, um Zeit zu sparen. Der Ladevorgang verkürzt sich dann auf ca. 25 Minuten. Der Akku des BMW i3, Version 2017 (94Ah) hat eine Kapazität von rund 33,2 kWh, von denen 27,2 kWh „verfahrbar“ sind.

Was kostet eine Akkuladung des BMW i3 94 Ah

Die Tarife variieren je nach Anbieter und Ladezeit. Durchschnittswerte aus meinen Erfahrungen heraus (Stand 11.2018):

  • Laden zu Hause (Steckdose, 2,5 kW): € 8,40
  • Öffentliche Ladestation Wechselstrom (11 kW): € 12,60
  • Schnelllader Gleichstrom (50 kW): € 15,-
  • Darüber hinaus gibt es einige Ladestationen, an denen das Laden (noch) kostenlos ist.

Alle Fotos auf dieser Seite © Juergen Blaetz.

Die Elektromobilität hat mit so manchen Vorurteilen zu kämpfen

Vorurteil Nr. 1: Die Ökobilanz eines Elektroautos ist viel schlechter als die eines Autos mit Verbrennungsmotor

Hier muss bei Skeptikern zum Vergleich stets die Braunkohle als Stromlieferant und die angeblich extrem umweltbelastende Herstellung des Akkus herhalten. Ich sehe das differenziert, auch wenn ich hier nicht wissenschaftlich, sondern mit dem gesunden Menschenverstand herangehe:

  • Öl muss teils unter hohem Aufwand gefördert, transportiert, zu Benzin oder Diesel raffiniert und zur Tankstelle transportiert werden. Die Erzeugung eines Liter Treibstoffes, dürfte so einiges an Emissionen freisetzen und einige Energie erfordern, bevor er im Fahrzeugtank landet.
  • Klar ist die Braunkohleverstromung als Worst Case Stromlieferant nicht toll. Kollateralschäden, wie z. B. eine Ölpest, werden allerdings selten in die Betrachtung mit einbezogen.
  • Im kilometerlangen Stau, wie im städtischen Stop & Go Verkehr werden durch ständiges Motor an / Motor aus oder im Stand leerlaufende Motoren in der Summe sicherlich erhebliche Emissionen produziert und Kraftstoff ohne Wirkung verbrannt. Ein Elektroauto verbraucht hier so gut wie keine Energie (Stichwort Rekuperation / Energierückgewinnung beim Bremsen), stößt keine Abgase aus und tropft auch nicht aus dem Auspuff.
  • Ein Akku kann unter kontrollierten Bedingungen gefertigt und später entsorgt werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier vielmehr Energie verbraucht wird und mehr Emissionen freigesetzt werden, als bei der Produktion eines Verbrennerfahrzeuges, das aus wesentlich mehr Einzelteilen besteht, als ein E-Fahrzeug.

Man stelle sich doch im nächsten Feierabendverkehr oder im nächsten Stau auf der Autobahn einfach mal vor, um das eigene Fahrzeug herum gäbe es nur Elektroautos. Mich ereilt in diesen Situationen immer wieder aufs Neue der Gedanke, wie viel Energie gespart werden würde und wie es sich auf die Luftqualität auswirkt, wenn keines dieser Fahrzeuge Abgase ausstoßen würde.

Man muss im Stau das Radio und das Licht abschalten, um Strom zu sparen und nicht liegen zu bleiben

Falsch! Im Stand und bei Stop & Go verbraucht ein Elektroauto fast keine Energie (auch hier Stichwort Rekuperation / Energierückgewinnung beim Bremsen). Scheinwerfer, Radio oder Navi wirken sich nicht nennenswert auf den Verbrauch auf.

Die Lithium Reserven sind begrenzt

Die Ölreserven auch ;-)

Das E-Auto ist gefährlich, denn man hört es nicht

Stimmt! Elektromobilisten müssen extrem umsichtig sein, denn sie sind als fast unhörbare Exoten unterwegs. Fußgänger sollten sich vor der Straßenüberquerung umsehen, auch wenn sie kein Auto hören. In vielen Städten gibt es ein Lärmproblem, verursacht durch hohe Verkehrsdichte. Die Anzahl der Krankheitsfälle, die infolge von Lärm entstehen, könnten durch mehr E-Mobilität abnehmen.

Mein Fazit: Elektroauto fahren macht Spaß und Sinn

Der BMW i3 ist ein tolles Auto und ein echtes Stück Zukunft! Die meisten Skeptiker und Gegner der Elektromobilität haben noch nie selbst ein Elektroauto gefahren. Das große Manko ist nicht die eigentliche Reichweite der Fahrzeuge, sondern das noch magere Ladenetz in Deutschland.

Tesla ist mit seinem Supercharger Netz absoluter Vorreiter. Tank & Rast hat viele seiner Autobahnraststätten mit 50 kW Triple Charger Schnellladern ausgerütet, was auch mich letztendlich zum Kauf ermutigt hat. IONITY, der neue Ladeverbund von BMW, Daimler, Ford, VW, Audi und Porsche ist dabei, sein Schnellladenetz zügig aufzubauen. Mit den kommenden Fahrzeugen kann man hier mit bis zu 350 kW laden, wodurch sich 300 km in 10 Minuten in den Akku pressen lassen. Elektromobilität wird so auch auf der Mittel- und Langstrecke eine echte Alternative zum Verbrennungsmotor werden.

Ich freue mich drauf!

PS: Ich habe versucht, diesen Beitrag so verständlich wie möglich zu verfassen. Alle Angaben auf dieser Seite beruhen auf meiner eigenen Erfahrung. Irrtümer vorbehalten. Wer Fragen zur Elektromobilität und im speziellen zum BMW i3 hat kann mir gerne schreiben.